Börsenstrompreis verstehen: Wann Strom günstig ist, mit echten Daten
Day-Ahead-Preis, Viertelstundenpreise, negative Preise, Dunkelflaute: Wie der Börsenstrompreis im Tagesverlauf schwankt und was das für deinen Tarif heißt.

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Kurze Antwort
Kurz gesagt: Der Börsenstrompreis ist der Preis, zu dem Stromhändler an der Börse EPEX Spot Strom für den nächsten Tag kaufen, seit Oktober 2025 für jede Viertelstunde einzeln. 2025 lag er im Schnitt bei rund 9 Cent pro kWh, schwankte aber innerhalb eines Tages um durchschnittlich 13 Cent. Günstig ist Strom im Sommer mittags (oft unter 2 Cent, 2025 in 4,7 Prozent der Zeit sogar negativ) und im Winter nachts. Teuer ist er fast immer zwischen 17 und 21 Uhr. Mit einem dynamischen Stromtarif zahlst du diesen Preis plus feste Netzentgelte, Steuern und Umlagen.
Was ist der Day-Ahead-Preis?
Jeden Tag um 12 Uhr schließt an der Strombörse EPEX Spot die Auktion für den Folgetag. Erzeuger bieten ihren Strom an, Händler und Versorger kaufen. Für jede Viertelstunde des nächsten Tages entsteht ein Preis: der Day-Ahead-Preis. Kurz nach 13 Uhr steht er fest, und genau diesen Preis geben dynamische Tarife an dich weiter, meist eins zu eins plus Aufschlag.
Bis September 2025 wurde stündlich gehandelt, seit dem 1. Oktober 2025 viertelstündlich. Manche Anbieter rechnen trotzdem noch mit Stundenpreisen ab.
Wie der Preis entsteht, erklärt die Merit-Order: Zuerst kommen die günstigsten Kraftwerke zum Zug, Wind und Sonne mit Grenzkosten nahe null, dann Kernkraft aus dem Ausland, Kohle, zuletzt Gas. Das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, bestimmt den Preis für alle. Deshalb springt der Preis abends hoch, wenn die Sonne weg ist und Gaskraftwerke einspringen müssen.
Der Tagesverlauf: echte Zahlen, nicht Schätzungen
Börsenpreis je Tagesstunde, Durchschnitt aller Viertelstunden
Durchschnittlicher Börsenpreis je Tagesstunde in Cent pro kWh, ohne Netzentgelte, Steuern und Umlagen. Grün: die vier günstigsten Stunden, rot: die vier teuersten.
Günstigste Stunden: 11–12 Uhr, 12–13 Uhr, 13–14 Uhr, 14–15 Uhr. Teuerste: 17–18 Uhr, 18–19 Uhr, 19–20 Uhr, 20–21 Uhr.
| Uhr | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ct/kWh | 8,3 | 7,8 | 7,5 | 7,4 | 7,6 | 8,1 | 9,5 | 11,1 | 11,2 | 9,6 | 8,1 | 7,1 | 6,5 | 6,3 | 6,8 | 8,1 | 9,4 | 11,3 | 12,7 | 13,1 | 11,9 | 10,5 | 9,8 | 8,7 |
Die Grafik ist aus allen Viertelstundenpreisen von SMARD gerechnet, der Datenplattform der Bundesnetzagentur. Was du daraus mitnehmen kannst:
- Sommer, 11 bis 15 Uhr: 2025 im Schnitt unter 4 Cent, zwischen 12 und 14 Uhr etwa 1 Cent. Das ist der Solarstrom.
- Winter, 0 bis 5 Uhr: rund 7 Cent, die günstigste Zeit, wenn keine Sonne hilft.
- Abend, 17 bis 21 Uhr: 2025 11 bis 13 Cent, im Winter bis 13,6 Cent, 2026 bisher über 17 Cent.
- Morgenspitze 7 bis 9 Uhr: Im Winter rund 11 bis 12 Cent, also fast so teuer wie der Abend.
- Wochenende: 2025 im Schnitt 7,3 Cent statt 9,8 Cent an Werktagen, weil die Industrie weniger verbraucht.
Monat für Monat: Februar teuer, Juni günstig
Börsenstrompreis 2025 nach Monaten
Durchschnitt aller Viertelstunden in Cent pro kWh, ohne Netzentgelte, Steuern und Umlagen.
Der teuerste Monat 2025 war der Februar mit 12,9 Cent, der günstigste der Juni mit 6,4 Cent. Das ist der Grund, warum ein dynamischer Tarif im Winter auch mal teurer sein kann als ein Festpreis, übers Jahr aber meist günstiger. 2026 lief es bisher anders: Die Preise stiegen ab August, der Oktober lag bei 16,3 Cent, der höchste Wert seit Anfang 2025. BDEW nennt als Grund steigende Großhandelspreise infolge des Iran-Kriegs.
Negative Preise: wenn Strom verschenkt wird
Scheint die Sonne an einem windigen Sonntag, ist mehr Strom da, als verbraucht wird. Dann fällt der Preis unter null: Wer Strom abnimmt, bekommt Geld. 2025 gab es 573 negative Stunden, so viele wie nie, verteilt auf 101 Tage, fast alle mittags zwischen April und September. Im November und Dezember 2025 gab es keine einzige.
Für dich als Kunde bleibt davon wenig, weil Netzentgelte, Steuern und Umlagen trotzdem anfallen. Mehr dazu: Negative Strompreise: bekomme ich Geld?.
Preisspitzen: die Dunkelflaute
Das Gegenteil: Im Winter, wenn weder Wind noch Sonne liefern, müssen teure Gaskraftwerke und Importe einspringen. Am 20. Januar 2025 zwischen 17 und 18 Uhr kostete die Megawattstunde 583,40 €, also gut 58 Cent pro kWh allein an der Börse. 2025 lag der Preis in 40 Stunden über 300 € je Megawattstunde, in rund 7 Prozent der Zeit über 15 Cent pro kWh. Für einen dynamischen Tarif heißt das: In solchen Stunden zahlst du 60 bis 90 Cent pro kWh brutto. Wer dann nicht gerade die Wärmepumpe auf Volllast fährt, merkt davon im Monat wenig, aber das Risiko ist real.
Der Börsenpreis ist nicht dein Strompreis
Zum Börsenpreis kommen rund 16 Cent netto feste Bestandteile (Netzentgelte, Stromsteuer, Umlagen, Konzessionsabgabe), der Aufschlag des Anbieters und 19 Prozent Mehrwertsteuer. Aus 9 Cent an der Börse werden so rund 32 Cent an der Steckdose. Wie das genau geht, steht im Ratgeber dynamischer Stromtarif.
Was heißt das für dich?
- Mit E-Auto: nachts oder mittags laden, je nach Jahreszeit. Die Apps der Anbieter suchen die günstigsten Viertelstunden selbst: E-Auto laden mit dynamischem Tarif.
- Mit Wärmepumpe: mittags den Pufferspeicher laden, abends drosseln: Wärmepumpe und dynamischer Tarif.
- Ohne große Verbraucher: Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine in die günstigen Stunden legen. Das spart laut Finanztip bei 10 Cent Preisunterschied rund 18 € im Jahr pro Gerät, viel ist das nicht.
- Mit Balkonkraftwerk oder PV: Mittags lieferst du selbst, der günstige Börsenstrom nützt dir dann wenig. Im Winter dagegen schon.
Was dein Haushalt mit deinen Geräten sparen würde, rechnet der Spar-Rechner mit genau diesen Stundenprofilen aus.
Wo sehe ich die aktuellen Preise?
- Hier auf der Seite: Strompreis heute und morgen, alle Viertelstunden, täglich neu erzeugt.
- SMARD.de (Bundesnetzagentur): alle Großhandelspreise, auch zum Herunterladen, kostenlos.
- energy-charts.info (Fraunhofer ISE): Preise, Erzeugung und Verbrauch als Grafik, mit Prognosen.
- App deines Anbieters: zeigt die Preise für morgen meist ab 13 bis 17 Uhr, inklusive aller Bestandteile.
Häufige Fragen
Wann ist Strom an der Börse am günstigsten?
Im Sommer mittags zwischen 11 und 15 Uhr, im Winter nachts zwischen 0 und 5 Uhr. Am Wochenende ist er im Schnitt ein Viertel günstiger als werktags.
Wann ist Strom am teuersten?
Fast immer zwischen 17 und 21 Uhr, im Winter zusätzlich morgens zwischen 7 und 9 Uhr.
Wie hoch war der Börsenstrompreis 2025 im Durchschnitt?
Laut Bundesnetzagentur 89,32 € je Megawattstunde, also rund 9 Cent pro kWh, etwa 14 Prozent mehr als 2024.
Warum ist Strom abends so teuer?
Weil die Sonne weg ist, der Verbrauch aber hoch: Kochen, Licht, Fernseher, E-Autos. Die Lücke füllen Gaskraftwerke, und das teuerste Kraftwerk bestimmt den Preis für alle (Merit-Order).
Seit wann gibt es Viertelstundenpreise?
Seit dem 1. Oktober 2025. Vorher wurde stündlich gehandelt.
Bekomme ich bei negativen Preisen Geld?
Nur, wenn der Börsenpreis unter etwa minus 16 Cent fällt. Das passiert fast nie, weil Netzentgelte, Steuern und Umlagen weiter anfallen.
Quellen
- Bundesnetzagentur | SMARD: Day-Ahead-Preise DE-LU 2025 und 2026 (CC BY 4.0), abgerufen über api.energy-charts.info, eigene Auswertung aller Viertelstundenwerte (15.387 Werte für 2025, 28.992 für 2026 bis 2026-10-29)
- ZfK: 2025: Strom war im Einkauf teuer, 07.01.2026 (Jahresmittel, negative Stunden, teuerste Stunde, Hochpreisstunden laut Bundesnetzagentur)
- Finanztip: Dynamische Stromtarife, Stand 16.04.2026 (Viertelstundenpreise, feste Bestandteile, Schwelle für negative Endpreise)
- BDEW: Strompreisanalyse Herbst 2026, 21.08.2026
Börsenpreise ändern sich täglich. Die Grafiken zeigen Durchschnitte, keine Prognose.




