Dynamischer Stromtarif

Börsenstrompreis verstehen: Wann Strom günstig ist, mit echten Daten

Day-Ahead-Preis, Viertelstundenpreise, negative Preise, Dunkelflaute: Wie der Börsenstrompreis im Tagesverlauf schwankt und was das für deinen Tarif heißt.

Titelbild: Börsenstrompreis im Tagesverlauf
Inhalt dieses Artikels
  1. Was ist der Day-Ahead-Preis?
  2. Der Tagesverlauf: echte Zahlen, nicht Schätzungen
  3. Monat für Monat: Februar teuer, Juni günstig
  4. Negative Preise: wenn Strom verschenkt wird
  5. Preisspitzen: die Dunkelflaute
  6. Was heißt das für dich?
  7. Wo sehe ich die aktuellen Preise?
  8. Häufige Fragen

Kurze Antwort

Kurz gesagt: Der Börsenstrompreis ist der Preis, zu dem Stromhändler an der Börse EPEX Spot Strom für den nächsten Tag kaufen, seit Oktober 2025 für jede Viertelstunde einzeln. 2025 lag er im Schnitt bei rund 9 Cent pro kWh, schwankte aber innerhalb eines Tages um durchschnittlich 13 Cent. Günstig ist Strom im Sommer mittags (oft unter 2 Cent, 2025 in 4,7 Prozent der Zeit sogar negativ) und im Winter nachts. Teuer ist er fast immer zwischen 17 und 21 Uhr. Mit einem dynamischen Stromtarif zahlst du diesen Preis plus feste Netzentgelte, Steuern und Umlagen.

Was ist der Day-Ahead-Preis?

Jeden Tag um 12 Uhr schließt an der Strombörse EPEX Spot die Auktion für den Folgetag. Erzeuger bieten ihren Strom an, Händler und Versorger kaufen. Für jede Viertelstunde des nächsten Tages entsteht ein Preis: der Day-Ahead-Preis. Kurz nach 13 Uhr steht er fest, und genau diesen Preis geben dynamische Tarife an dich weiter, meist eins zu eins plus Aufschlag.

Bis September 2025 wurde stündlich gehandelt, seit dem 1. Oktober 2025 viertelstündlich. Manche Anbieter rechnen trotzdem noch mit Stundenpreisen ab.

Wie der Preis entsteht, erklärt die Merit-Order: Zuerst kommen die günstigsten Kraftwerke zum Zug, Wind und Sonne mit Grenzkosten nahe null, dann Kernkraft aus dem Ausland, Kohle, zuletzt Gas. Das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, bestimmt den Preis für alle. Deshalb springt der Preis abends hoch, wenn die Sonne weg ist und Gaskraftwerke einspringen müssen.

Der Tagesverlauf: echte Zahlen, nicht Schätzungen

Strompreis-Uhr

Börsenpreis je Tagesstunde, Durchschnitt aller Viertelstunden

Durchschnittlicher Börsenpreis je Tagesstunde in Cent pro kWh, ohne Netzentgelte, Steuern und Umlagen. Grün: die vier günstigsten Stunden, rot: die vier teuersten.

Günstigste Stunden: 11–12 Uhr, 12–13 Uhr, 13–14 Uhr, 14–15 Uhr. Teuerste: 17–18 Uhr, 18–19 Uhr, 19–20 Uhr, 20–21 Uhr.

Börsenpreis je Stunde in Cent pro kWh
Uhr01234567891011121314151617181920212223
ct/kWh8,37,87,57,47,68,19,511,111,29,68,17,16,56,36,88,19,411,312,713,111,910,59,88,7
Quelle: Day-Ahead-Preise der Gebotszone Deutschland/Luxemburg, Bundesnetzagentur | SMARD.de (CC BY 4.0), abgerufen über energy-charts.info, Stand 2025-12-31. Stundenmittel, eigene Auswertung.

Die Grafik ist aus allen Viertelstundenpreisen von SMARD gerechnet, der Datenplattform der Bundesnetzagentur. Was du daraus mitnehmen kannst:

Monat für Monat: Februar teuer, Juni günstig

Grafik

Börsenstrompreis 2025 nach Monaten

Durchschnitt aller Viertelstunden in Cent pro kWh, ohne Netzentgelte, Steuern und Umlagen.

Jan11,4 ct
Feb12,9 ct
Mär9,5 ct
Apr7,8 ct
Mai6,7 ct
Jun6,4 ct
Jul8,8 ct
Aug7,7 ct
Sep8,4 ct
Okt8,4 ct
Nov10,2 ct
Dez9,4 ct
Grafik: Der Handwerksdoktor. Daten: Bundesnetzagentur | SMARD.de (CC BY 4.0), eigene Auswertung.

Der teuerste Monat 2025 war der Februar mit 12,9 Cent, der günstigste der Juni mit 6,4 Cent. Das ist der Grund, warum ein dynamischer Tarif im Winter auch mal teurer sein kann als ein Festpreis, übers Jahr aber meist günstiger. 2026 lief es bisher anders: Die Preise stiegen ab August, der Oktober lag bei 16,3 Cent, der höchste Wert seit Anfang 2025. BDEW nennt als Grund steigende Großhandelspreise infolge des Iran-Kriegs.

Negative Preise: wenn Strom verschenkt wird

Scheint die Sonne an einem windigen Sonntag, ist mehr Strom da, als verbraucht wird. Dann fällt der Preis unter null: Wer Strom abnimmt, bekommt Geld. 2025 gab es 573 negative Stunden, so viele wie nie, verteilt auf 101 Tage, fast alle mittags zwischen April und September. Im November und Dezember 2025 gab es keine einzige.

Für dich als Kunde bleibt davon wenig, weil Netzentgelte, Steuern und Umlagen trotzdem anfallen. Mehr dazu: Negative Strompreise: bekomme ich Geld?.

Preisspitzen: die Dunkelflaute

Das Gegenteil: Im Winter, wenn weder Wind noch Sonne liefern, müssen teure Gaskraftwerke und Importe einspringen. Am 20. Januar 2025 zwischen 17 und 18 Uhr kostete die Megawattstunde 583,40 €, also gut 58 Cent pro kWh allein an der Börse. 2025 lag der Preis in 40 Stunden über 300 € je Megawattstunde, in rund 7 Prozent der Zeit über 15 Cent pro kWh. Für einen dynamischen Tarif heißt das: In solchen Stunden zahlst du 60 bis 90 Cent pro kWh brutto. Wer dann nicht gerade die Wärmepumpe auf Volllast fährt, merkt davon im Monat wenig, aber das Risiko ist real.

Der Börsenpreis ist nicht dein Strompreis

Zum Börsenpreis kommen rund 16 Cent netto feste Bestandteile (Netzentgelte, Stromsteuer, Umlagen, Konzessionsabgabe), der Aufschlag des Anbieters und 19 Prozent Mehrwertsteuer. Aus 9 Cent an der Börse werden so rund 32 Cent an der Steckdose. Wie das genau geht, steht im Ratgeber dynamischer Stromtarif.

Was heißt das für dich?

Was dein Haushalt mit deinen Geräten sparen würde, rechnet der Spar-Rechner mit genau diesen Stundenprofilen aus.

Wo sehe ich die aktuellen Preise?

Häufige Fragen

Wann ist Strom an der Börse am günstigsten?

Im Sommer mittags zwischen 11 und 15 Uhr, im Winter nachts zwischen 0 und 5 Uhr. Am Wochenende ist er im Schnitt ein Viertel günstiger als werktags.

Wann ist Strom am teuersten?

Fast immer zwischen 17 und 21 Uhr, im Winter zusätzlich morgens zwischen 7 und 9 Uhr.

Wie hoch war der Börsenstrompreis 2025 im Durchschnitt?

Laut Bundesnetzagentur 89,32 € je Megawattstunde, also rund 9 Cent pro kWh, etwa 14 Prozent mehr als 2024.

Warum ist Strom abends so teuer?

Weil die Sonne weg ist, der Verbrauch aber hoch: Kochen, Licht, Fernseher, E-Autos. Die Lücke füllen Gaskraftwerke, und das teuerste Kraftwerk bestimmt den Preis für alle (Merit-Order).

Seit wann gibt es Viertelstundenpreise?

Seit dem 1. Oktober 2025. Vorher wurde stündlich gehandelt.

Bekomme ich bei negativen Preisen Geld?

Nur, wenn der Börsenpreis unter etwa minus 16 Cent fällt. Das passiert fast nie, weil Netzentgelte, Steuern und Umlagen weiter anfallen.

Quellen

Börsenpreise ändern sich täglich. Die Grafiken zeigen Durchschnitte, keine Prognose.

Der Handwerksdoktor

Der Handwerksdoktor erklärt auf YouTube und hier im Blog, wie Heizung, Strom und Wasser im Haus funktionieren, einfach und ohne Fachchinesisch. Mehr über den Handwerksdoktor