Dynamischer Stromtarif

Negative Strompreise: Bekomme ich Geld fürs Stromverbrauchen?

2025 war der Börsenstrom in 573 Stunden negativ. Warum du trotzdem fast nie Geld bekommst, ab wann der Endpreis unter null fällt und wie du die Stunden nutzt.

Titelbild: Negative Strompreise
Inhalt dieses Artikels
  1. Warum der Strompreis negativ wird
  2. Warum du trotzdem zahlst
  3. So nutzt du negative und sehr günstige Stunden
  4. Für PV-Betreiber: keine Vergütung bei negativen Preisen
  5. Häufige Fragen

Kurze Antwort

Kurz gesagt: An der Strombörse war der Preis 2025 in 573 Stunden negativ, so oft wie nie, fast immer an sonnigen Mittagen zwischen April und September. Als Kunde mit dynamischem Tarif bekommst du dafür aber fast nie Geld: Netzentgelte, Steuern und Umlagen von rund 16 Cent netto fallen trotzdem an. Erst wenn der Börsenpreis unter etwa minus 16 Cent fällt, wird dein Endpreis negativ. 2025 lag der tiefste Viertelstundenpreis bei minus 25 Cent, das war die Ausnahme. Was du hast: in diesen Stunden Strom für unter 20 Cent brutto, statt 37 im Festpreis.

Warum der Strompreis negativ wird

An der Börse treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Scheint an einem Sonntagmittag die Sonne und weht der Wind, liefern Solar- und Windanlagen mehr Strom, als Deutschland verbraucht. Viele Anlagen laufen trotzdem weiter: alte PV-Anlagen mit fester Einspeisevergütung, Kraftwerke, die nicht schnell herunterfahren können, Anlagen, die Wärme liefern müssen. Um den Strom loszuwerden, zahlen die Erzeuger drauf. Der Preis fällt unter null.

So häufig war das:

Grafik

Negative Preisstunden an der Strombörse

Stunden mit Day-Ahead-Preis unter null, Gebotszone Deutschland/Luxemburg. 2026 bis Ende Oktober als Anteil der Viertelstunden hochgerechnet.

2023301 Stunden
2024457 Stunden
2025101 Tage573 Stunden
2026 bis Okt.6,42 % der Zeit462 Stunden
Grafik: Der Handwerksdoktor. 2023 bis 2025 laut Bundesnetzagentur (SMARD), zitiert nach ZfK und pv magazine. 2026 eigene Auswertung der SMARD-Daten bis Ende Oktober.

2025 fielen die negativen Stunden auf 101 Tage, fast alle zwischen April und September, mittags. Im November und Dezember gab es keine einzige. 2026 lag der Anteil bis Ende Oktober schon bei 6,42 Prozent aller Viertelstunden, nach 4,71 Prozent im ganzen Jahr 2025.

Warum du trotzdem zahlst

Dein Strompreis besteht nur zu einem kleinen Teil aus dem Börsenpreis. Der Rest ist fest:

Bestandteil bei Börsenpreis 0 ct bei minus 10 ct bei minus 20 ct
Börsenpreis 0 −10 −20
Netzentgelte, Steuern, Umlagen (netto, Durchschnitt) +16 +16 +16
Aufschlag Anbieter (Beispiel) +2 +2 +2
Zwischensumme netto 18 8 −2
brutto mit 19 % MwSt. 21,4 ct 9,5 ct −2,4 ct

Finanztip rechnet es genauso: Der Börsenpreis muss etwa minus 16 Cent oder tiefer liegen, erst dann wird der Endpreis negativ. Bei minus 20 Cent ergibt sich laut Finanztip eine Gutschrift von 4,76 Cent brutto (mit anderem Aufschlag als oben). Solche Werte gab es 2025 nur in wenigen Viertelstunden. Der tiefste Preis lag bei minus 25,03 Cent.

Was häufig vorkommt, ist der Bereich um null: 2025 lag der Börsenpreis in 10,45 Prozent der Zeit unter 2 Cent. Dann zahlst du rund 20 Cent brutto statt 37. Das ist der eigentliche Gewinn, nicht die Gutschrift.

Manche Anbieter deckeln bei null

Nicht jeder Anbieter gibt negative Börsenpreise eins zu eins weiter. Manche setzen den Börsenanteil bei null fest oder behalten den Aufschlag. Steht in den Tarifbedingungen unter „Preisbildung“. Wer die negativen Stunden ausnutzen will, sollte das vor dem Wechsel prüfen: Anbieter-Vergleich.

So nutzt du negative und sehr günstige Stunden

Wann die günstigen Stunden liegen, Sommer und Winter getrennt: Börsenstrompreis verstehen.

Für PV-Betreiber: keine Vergütung bei negativen Preisen

Für neue PV-Anlagen ab 2 kW, die seit dem 25. Februar 2025 in Betrieb gingen (Solarspitzengesetz), gibt es keine Einspeisevergütung mehr in Stunden mit negativem Börsenpreis, sobald ein intelligentes Messsystem eingebaut ist. Als Ausgleich wird die entgangene Vergütung ans Ende der 20 Jahre angehängt. Für Betreiber neuer Anlagen lohnt sich also doppelt, mittags selbst zu verbrauchen, zum Beispiel mit Speicher, Wärmepumpe oder E-Auto. Alte Anlagen sind nicht betroffen. Für Balkonkraftwerke spielt das keine Rolle, die speisen ohnehin meist ohne Vergütung ein: Balkonkraftwerk mit Speicher.

Häufige Fragen

Bekomme ich bei negativen Strompreisen Geld?

Fast nie. Netzentgelte, Steuern und Umlagen von rund 16 Cent netto fallen weiter an. Erst unter etwa minus 16 Cent Börsenpreis wird dein Endpreis negativ, das kam 2025 nur selten vor.

Wie oft ist der Strompreis negativ?

2025 in 573 Stunden, das sind 6,5 Prozent des Jahres, verteilt auf 101 Tage. 2024 waren es 457 Stunden, 2023 noch 301.

Wann sind die Preise negativ?

Fast nur mittags an sonnigen, windigen Tagen zwischen April und September, besonders an Wochenenden und Feiertagen.

Warum schalten die Erzeuger nicht einfach ab?

Viele alte Anlagen bekommen eine feste Vergütung und laufen weiter, Kraftwerke lassen sich nicht in Minuten abschalten, und manche müssen Wärme liefern. Neue PV-Anlagen bekommen seit 2025 bei negativen Preisen keine Vergütung mehr.

Was habe ich als Kunde mit Festpreis davon?

Nichts direkt. Dein Anbieter kauft den Strom zwar günstiger, dein Preis bleibt gleich. Nur mit einem dynamischen oder variablen Tarif kommt der günstige Preis bei dir an.

Quellen

Börsenpreise ändern sich täglich. Keine Finanz- oder Rechtsberatung.

Der Handwerksdoktor

Der Handwerksdoktor erklärt auf YouTube und hier im Blog, wie Heizung, Strom und Wasser im Haus funktionieren, einfach und ohne Fachchinesisch. Mehr über den Handwerksdoktor