Dynamischer Stromtarif

§ 14a EnWG erklärt: Modul 1, 2 oder 3 für Wärmepumpe und Wallbox

§ 14a EnWG einfach erklärt: Welche Geräte betroffen sind, was die Drosselung auf 4,2 kW bedeutet und welches Modul (Pauschale, 60 %, zeitvariabel) am meisten.

Titelbild: § 14a EnWG, Modul 1, 2 und 3
Inhalt dieses Artikels
  1. Was regelt § 14a EnWG?
  2. Die Gegenleistung: drei Module für weniger Netzentgelt
  3. Welches Modul für wen?
  4. Anmelden: wer macht was?
  5. Häufige Fragen

Kurze Antwort

Kurz gesagt: Seit 2024 darf der Netzbetreiber Wärmepumpen, Wallboxen, Speicher und Klimaanlagen über 4,2 kW bei Netzengpässen kurz auf 4,2 kW drosseln (§ 14a EnWG). Als Gegenleistung bekommst du weniger Netzentgelt: Modul 1 zahlt pauschal 108 bis 196 € im Jahr, je nach Netzgebiet, ohne zweiten Zähler. Modul 2 senkt den Netzentgelt-Arbeitspreis um 60 Prozent, braucht aber einen zweiten Zähler, und lohnt sich ab etwa 4.500 kWh im Jahr. Modul 3 gibt zusätzlich zu Modul 1 zeitvariable Netzentgelte: mittags günstiger, abends teurer, nur mit Smart Meter. Welches Modul bei dir am meisten bringt: § 14a Netzentgelt-Rechner.

Was regelt § 14a EnWG?

Das Stromnetz im Ort ist für den Abend mit Millionen gleichzeitig ladender E-Autos und laufender Wärmepumpen nicht gebaut. Statt überall neue Kabel zu legen, darf der Verteilnetzbetreiber seit dem 1. Januar 2024 große Verbraucher kurzzeitig drosseln, wenn das Netz sonst überlastet wäre. Betroffen sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen:

jeweils mit mehr als 4,2 kW Leistung und seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb genommen. Gleiche Gerätearten an einem Zähler werden addiert. Ältere Geräte haben laut Bundesnetzagentur Bestandsschutz bis zum 31. Dezember 2028, ab 2029 gelten die Regeln für alle.

Haushaltsstrom wird nie gedrosselt. Gedimmt wird nur das Gerät, und zwar auf mindestens 4,2 kW. Eine Wärmepumpe läuft damit weiter, ein E-Auto lädt mit 4,2 kW in einer Stunde noch gut 20 km nach. Die Bundesnetzagentur nennt die Drosselung „den Ausnahmefall“, Netzbetreiber müssen jede Drosselung veröffentlichen. Bis Herbst 2026 gab es laut Finanztip dort noch keinen Eintrag.

Ohne Steuerung geht es nicht: Der Netzbetreiber muss jedes neue Gerät über 4,2 kW anschließen, darf es aber nur mit der Möglichkeit zur Drosselung. Die Anmeldung übernimmt in der Regel der Elektrobetrieb, der das Gerät installiert.

Die Gegenleistung: drei Module für weniger Netzentgelt

Weil du dich drosseln lässt, zahlst du weniger Netzentgelt. Das Netzentgelt ist ein Teil deines Strompreises (2026 im Schnitt 9,2 Cent pro kWh laut BDEW). Du wählst eines von drei Modulen:

Grafik

Was die Module bei 5.000 kWh Wärmepumpenstrom im Jahr bringen, Beispiel

Modul 1: Mitte der Spanne. Modul 2: Beispiel Berlin 2026 laut Finanztip, ohne die laufenden Kosten des zweiten Zählers. Modul 3: Schätzung, wenn 40 % des Verbrauchs in den Niedrigtarif fallen.

Modul 2: 60 % weniger Arbeitspreisminus Zählerkosten306 €
Modul 1 + 3: zeitvariabelnur mit Smart Meter230 €
Modul 1: Pauschale108 bis 196 €150 €
Grafik: Der Handwerksdoktor. Zahlen laut Finanztip (Stand 01.09.2026), Modul 3 eigene Schätzung mit 5,4 ct Niedrigtarif-Vorteil.

Modul 1: die Pauschale

Modul 2: 60 Prozent weniger Arbeitspreis

Modul 3: zeitvariable Netzentgelte

Welches Modul für wen?

Situation Empfehlung Warum
Wallbox, bis 30.000 km im Jahr Modul 1 Pauschale übersteigt den prozentualen Rabatt
Wärmepumpe unter 3.000 kWh Modul 1 zweiter Zähler lohnt nicht
Wärmepumpe über 4.500 kWh Modul 2 60 % auf große Mengen schlagen die Pauschale
Speicher Modul 1 wenig Netzbezug
Smart Meter vorhanden, Verbrauch verschiebbar Modul 1 + 3 Pauschale plus Mittagsrabatt

Rechne es mit deinen Zahlen: § 14a Netzentgelt-Rechner.

Der Rabatt kommt nicht von allein

Den Rabatt zahlt der Netzbetreiber an deinen Stromanbieter. Der ist laut Bundesnetzagentur nicht verpflichtet, ihn weiterzugeben. Frag nach, und zwar schriftlich. Laut Finanztip-Befragung geben E.ON, Enercity, EWE, Lichtblick, Mainova, N-Ergie und Octopus Energy Modul 2 in jedem Haushaltstarif weiter, EnBW, Vattenfall, Naturstrom und MVV nur in Spezialtarifen. Modul 3 in jedem Haushaltstarif: E.ON, EnBW, Enercity, EWE, Lichtblick, Mainova, Octopus Energy, Rheinenergie.

Anmelden: wer macht was?

  1. Gerät installieren lassen. Der Elektrobetrieb meldet Wärmepumpe oder Wallbox beim Netzbetreiber an und gibt dabei das Modul an. Ohne Angabe: Modul 1.
  2. Modul 2 oder 3 musst du beim Netzbetreiber ausdrücklich wählen, auch später noch, meist über ein Formular.
  3. Steuerung: läuft über Smart Meter plus Steuerbox. Der Pflichteinbau ist kostenlos, der Betrieb kostet laut Messstellenbetriebsgesetz bis zu 100 € im Jahr (50 € Smart Meter, 50 € Steuerbox): Smart Meter: Pflicht und Kosten.
  4. Rabatt prüfen: Er steht auf der Stromrechnung unter Netzentgelt. Er gilt laut Finanztip schon, sobald der Netzbetreiber beauftragt ist, auch wenn die Steuerbox noch nicht eingebaut ist.

Häufige Fragen

Darf der Netzbetreiber meine Wärmepumpe abschalten?

Nein, nur auf 4,2 kW drosseln, und nur bei einer drohenden Überlastung im Netz. Die Bundesnetzagentur nennt das den Ausnahmefall, jede Drosselung muss veröffentlicht werden.

Gilt § 14a auch für meine alte Wärmepumpe?

Geräte, die vor 2024 in Betrieb gingen, haben Bestandsschutz bis Ende 2028. Freiwillig kannst du schon jetzt teilnehmen und den Rabatt bekommen.

Wie viel Netzentgelt spare ich mit Modul 1?

2026 zwischen 108 und 196 € im Jahr, je nach Netzbetreiber. Der Betrag steht im Preisblatt deines Netzbetreibers.

Brauche ich für § 14a einen Smart Meter?

Für die Steuerung ja, Smart Meter plus Steuerbox gehören zum Pflichteinbau. Modul 1 und 2 bekommst du aber auch schon vor dem Einbau.

Kann ich Modul 2 und 3 kombinieren?

Nein. Modul 3 geht nur zusammen mit Modul 1.

Lohnt sich § 14a bei einer 11-kW-Wallbox mit wenig Fahrleistung?

Ja, Modul 1 bringt die Pauschale unabhängig vom Verbrauch. Bei 2.000 kWh Ladestrom sind 150 € mehr als 7 Cent pro kWh Rabatt.

Quellen

Keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind das Preisblatt deines Netzbetreibers und die Festlegungen der Bundesnetzagentur.

Der Handwerksdoktor

Der Handwerksdoktor erklärt auf YouTube und hier im Blog, wie Heizung, Strom und Wasser im Haus funktionieren, einfach und ohne Fachchinesisch. Mehr über den Handwerksdoktor