Heizkurve einstellen: Steilheit und Niveau einfach erklärt
Heizkurve richtig einstellen: Was Steilheit und Niveau bedeuten, welche Werte typisch sind und wie du Schritt für Schritt die passende Einstellung findest.

Anzeige: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links (mit * markiert). Kaufst du darüber ein, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Mehr dazu
Inhalt dieses Artikels
Kurze Antwort
Kurz gesagt: Die Heizkurve legt fest, wie heiß das Heizwasser bei welcher Außentemperatur wird. Die Steilheit (auch Neigung) bestimmt, wie stark die Heizung bei Kälte nachlegt. Das Niveau verschiebt die ganze Kurve nach oben oder unten. Faustregel: Ist es nur bei Frost zu kalt oder zu warm, die Steilheit ändern. Ist es in der Übergangszeit falsch, das Niveau ändern. Immer in kleinen Schritten und dann mindestens einen Tag abwarten.
Was ist die Heizkurve?
Die meisten Heizungen arbeiten witterungsgeführt: Ein Fühler an der Außenwand misst die Außentemperatur. Daraus berechnet die Regelung über die Heizkurve die Vorlauftemperatur, also wie warm das Wasser ist, das zu den Heizkörpern fließt. Je kälter es draußen ist, desto heißer das Wasser.
So hängt die Vorlauftemperatur von der Steilheit ab
Prinzip-Darstellung für 20 °C Raumtemperatur und Niveau 0. Je kälter es draußen ist, desto heißer das Heizwasser. Eine steilere Kurve heizt bei Frost stärker nach.
- Steilheit 0,6
- Steilheit 1,0
- Steilheit 1,4
| Außen | Steilheit 0,6 | Steilheit 1,0 | Steilheit 1,4 |
|---|---|---|---|
| +10 °C | ca. 27 °C | ca. 32 °C | ca. 37 °C |
| 0 °C | ca. 33 °C | ca. 42 °C | ca. 51 °C |
| −10 °C | ca. 39 °C | ca. 51 °C | ca. 63 °C |
Steilheit und Niveau: der Unterschied
| Einstellung | Was sie macht | Wann anpassen? |
|---|---|---|
| Steilheit / Neigung | Wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn es draußen kälter wird | Wenn es an kalten Tagen (unter etwa 5 °C) zu kalt oder zu warm ist |
| Niveau / Parallelverschiebung | Verschiebt die ganze Kurve gleichmäßig nach oben oder unten | Wenn es in der Übergangszeit (etwa 5 bis 15 °C) nicht passt |
Typische Werte laut Viessmann: Gut gedämmte Häuser mit Fußbodenheizung kommen mit einer Steilheit von etwa 0,3 bis 0,5 aus. Ältere Gebäude mit Heizkörpern brauchen eher 1,4 bis 1,6. Die Bezeichnungen und Skalen unterscheiden sich je nach Hersteller, schau in die Anleitung deiner Heizung.
Heizkurve einstellen: Schritt für Schritt
So findest du die passende Heizkurve
- Schritt 1MessenRaumtemperatur ein paar Tage beobachten.
- Schritt 2Thermostate aufIm Referenzraum Thermostat ganz öffnen.
- Schritt 3Eine Größe ändernSteilheit oder Niveau, nie beides.
- Schritt 4AbwartenMindestens 12 bis 24 Stunden, Fußboden länger.
- Schritt 5WiederholenBis es mit offenem Thermostat gerade warm genug ist.
- Ausgangswerte notieren. Fotografiere die aktuellen Einstellungen, bevor du etwas änderst. So kommst du jederzeit zurück.
- Referenzraum wählen, meist das Wohnzimmer. Dort das Thermostat ganz aufdrehen, damit die Heizkurve allein bestimmt, wie warm es wird.
- Eine Größe ändern, abhängig vom Wetter:
- Kalter Tag (unter etwa 5 °C) und zu kalt: Steilheit etwas erhöhen. Zu warm: etwas senken.
- Übergangszeit und zu kalt oder zu warm: Niveau um ein bis zwei Stufen anpassen.
- Abwarten. Viessmann rät, mindestens 12 bis 24 Stunden zu warten, bei Fußbodenheizung deutlich länger.
- Wiederholen, bis der Raum mit offenem Thermostat gerade die gewünschte Temperatur erreicht. Dann ist die Kurve so niedrig wie möglich und die Heizung arbeitet am sparsamsten.
Wo die Einstellung im Menü steht, ist je nach Gerät verschieden. Bei vielen Geräten findest du sie unter Heizung oder Heizkreis, oft im Fachhandwerker-Bereich. Im Zweifel: Anleitung oder Fachbetrieb.
Nicht bei allen Heizungen selbst ändern
Manche Regelungen erlauben die Änderung nur im Fachhandwerker-Menü. Ändere dort nur Steilheit und Niveau und keine anderen Parameter. In Mietwohnungen mit Zentralheizung ist die Heizkurve Sache des Vermieters oder der Hausverwaltung.
Typische Probleme und was hilft
| Problem | Wahrscheinliche Lösung |
|---|---|
| Bei Frost zu kalt, sonst okay | Steilheit etwas erhöhen |
| Bei Frost zu warm, sonst okay | Steilheit etwas senken |
| Immer etwas zu kalt | Niveau etwas erhöhen |
| Immer etwas zu warm | Niveau etwas senken |
| Nur ein Raum zu kalt | Kein Fall für die Heizkurve: Heizkörper entlüften, Thermostat oder hydraulischen Abgleich prüfen |
Wird ein einzelner Heizkörper nicht warm, liegt es meist an Luft oder einem klemmenden Ventil: Heizkörper wird nicht warm.
Warum sich die Mühe lohnt
Eine zu hoch eingestellte Heizkurve heizt das Wasser stärker auf als nötig. Die Thermostate drosseln dann zwar die Räume, aber der Kessel arbeitet ineffizienter, und bei Wärmepumpen sinkt die Effizienz deutlich mit jedem unnötigen Grad Vorlauf. Laut Umweltbundesamt spart jedes Grad weniger Raumtemperatur Heizenergie. Empfohlen werden im Wohnbereich höchstens 20 °C.
Ab welcher Außentemperatur die Heizung überhaupt anspringen sollte, steht hier: Ab wann heizen?
Häufige Fragen
Was ist besser: hohe Steilheit oder hohes Niveau?
Keins von beiden ist „besser“. Die Steilheit regelt das Verhalten bei Kälte, das Niveau die Grundtemperatur. Ziel ist die niedrigste Kurve, bei der es warm genug wird.
Wie lange dauert es, bis eine Änderung wirkt?
Bei Heizkörpern einige Stunden, aussagekräftig ist erst der nächste Tag. Bei Fußbodenheizung auch mehrere Tage.
Hat die Heizkurve etwas mit der Nachtabsenkung zu tun?
Die Nachtabsenkung verschiebt die Kurve nachts nach unten. Die Grundeinstellung der Kurve bleibt gleich.
Quellen
- Viessmann: Heizkurve einstellen
- energie-experten.org: Heizkurve
- Umweltbundesamt: Heizen und Raumtemperatur




